Schwerbehinderung in der Bewerbung: Musterformulierungen für Anschreiben, Lebenslauf und E-Mail
Wo schreibt man die Schwerbehinderung hin – und wie formuliert man es, ohne sich klein zu machen? Dieser Ratgeber liefert fertige Textbausteine für Anschreiben, Lebenslauf, E-Mail-Bewerbung und Online-Formulare, für jede Ausgangslage.
"Wo schreibe ich meine Schwerbehinderung hin?" und "Wie formuliere ich das, ohne dass es nach Entschuldigung klingt?" – das sind die beiden häufigsten Fragen von Bewerberinnen und Bewerbern mit Behinderung. Dieser Ratgeber beantwortet sie mit konkreten, sofort verwendbaren Textbausteinen für jede Situation: Anschreiben, Lebenslauf, E-Mail-Bewerbung, Online-Formular und Vorstellungsgespräch.
Die Grundregeln in drei Sätzen
- Sie müssen nichts angeben – eine allgemeine Offenbarungspflicht gibt es nicht. Ausnahme: wenn die Behinderung die konkret ausgeschriebene Tätigkeit dauerhaft unmöglich macht.
- Wenn Sie es angeben, dann klar erkennbar – nur dann greifen Ihre Rechte, allen voran der Einladungsanspruch im öffentlichen Dienst nach § 165 SGB IX.
- Nennen Sie die Auswirkung, nicht die Diagnose – und liefern Sie im selben Atemzug die Lösung mit.
Formulierungen für das Anschreiben
Der beste Platz ist der letzte Absatz vor der Grußformel – oder, im öffentlichen Dienst, der erste Absatz, damit der Hinweis nicht überlesen wird.
Neutral und knapp
"Ich habe einen Grad der Behinderung von 50 und bin damit schwerbehindert im Sinne des SGB IX. Die Aufgaben der ausgeschriebenen Stelle kann ich uneingeschränkt wahrnehmen."
Mit Hinweis auf notwendige Anpassung
"Aufgrund einer anerkannten Schwerbehinderung (GdB 60) benötige ich einen höhenverstellbaren Arbeitsplatz. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel das Integrationsamt, sodass für Sie kein zusätzlicher Aufwand entsteht."
Mit Betonung des Vorteils für den Arbeitgeber
"Mit meiner anerkannten Schwerbehinderung (GdB 50) werde ich auf die Beschäftigungspflicht nach § 154 SGB IX angerechnet. Zudem sind Förderungen wie der Eingliederungszuschuss der Agentur für Arbeit möglich – gerne informiere ich Sie im Gespräch über die Einzelheiten."
Für den öffentlichen Dienst
"Ich bin schwerbehindert (GdB 50, Kopie des Ausweises anbei) und mache von meinem Anspruch auf Einladung zu einem Vorstellungsgespräch nach § 165 SGB IX Gebrauch."
Bei Gleichstellung
"Ich bin mit einem Grad der Behinderung von 30 einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt (Bescheid der Agentur für Arbeit vom 12.03.2026, Kopie anbei). Damit werde ich auf die Pflichtquote angerechnet."
Bei Hörbehinderung oder anderem Kommunikationsbedarf
"Ich bin gehörlos. Für Rückfragen erreichen Sie mich am besten per E-Mail. Für ein Vorstellungsgespräch organisiere ich gerne eine Gebärdensprachdolmetschung; die Kosten trägt die Agentur für Arbeit."
Nach längerer Krankheit oder mit Bezug zur eigenen Geschichte
"Nach einer Herzoperation im Jahr 2024 wurde bei mir ein Grad der Behinderung von 50 festgestellt. Ich bin heute vollständig belastbar, treibe regelmäßig Sport und suche eine Aufgabe, in der ich meine langjährige Erfahrung als … einbringen kann."
Formulierungen für den Lebenslauf
Im Lebenslauf gehört der Hinweis unter die persönlichen Daten – kurz, in einer Zeile, ohne Erklärung:
- Schwerbehinderung: GdB 50 (anerkannt seit 2023)
- Grad der Behinderung: 60, Merkzeichen G
- Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen (GdB 30), Agentur für Arbeit, seit 2025
- Schwerbehinderung: ja (GdB 50) – Tätigkeit uneingeschränkt möglich
Ein eigener Abschnitt oder ein Anhang, in dem nur auf die Behinderung eingegangen wird, ist unüblich und lenkt vom Wesentlichen ab. Wenn Sie Details für nötig halten – etwa notwendige Hilfsmittel –, gehören sie ins Anschreiben, nicht in einen Zusatzbogen.
Die E-Mail-Bewerbung: Aufbau und Muster
Bei einer Bewerbung per E-Mail gilt: Die E-Mail ist das Begleitschreiben, die eigentliche Bewerbung liegt als PDF bei. Den Hinweis auf die Schwerbehinderung setzen Sie ins Anschreiben im PDF – und, wenn Sie den Einladungsanspruch geltend machen, zusätzlich in die E-Mail.
Betreff: Bewerbung als Sachbearbeiterin im Bereich Finanzen – Kennziffer 2026/14
Sehr geehrte Frau Berger,
mit großem Interesse habe ich Ihre Ausschreibung gelesen und bewerbe mich um die Stelle als Sachbearbeiterin im Bereich Finanzen. Meine vollständigen Unterlagen – Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse – finden Sie im Anhang als PDF.
Ergänzend weise ich darauf hin, dass ich schwerbehindert bin (GdB 50). Eine Kopie des Ausweises habe ich beigefügt.
Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich sehr.
Mit freundlichen Grüßen
Anna Musterfrau
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt
Telefon 0123 456789
Anhänge: alles in einer einzigen PDF-Datei, sinnvoll benannt (etwa Bewerbung_Musterfrau_Sachbearbeitung.pdf), möglichst unter 5 MB, Reihenfolge: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweis der Schwerbehinderung oder Gleichstellung.
Online-Bewerbungsportale
Viele Portale enthalten ein Feld "Schwerbehinderung" mit den Optionen ja/nein/keine Angabe. Wenn Sie Ihre Rechte nutzen möchten, kreuzen Sie "ja" an – und wiederholen Sie den Hinweis im hochgeladenen Anschreiben. Verlassen Sie sich nie allein auf das Ankreuzfeld: In der Rechtsprechung kommt es darauf an, dass der Hinweis für die entscheidende Stelle klar erkennbar ist.
Wenn Sie sie nicht angeben möchten
Das ist Ihr gutes Recht. Sie müssen dann allerdings wissen: Ohne Kenntnis kann der Arbeitgeber weder den Einladungsanspruch erfüllen noch Förderungen beantragen noch Ihren Arbeitsplatz von vornherein anpassen. Sinnvoll ist das Verschweigen vor allem dann, wenn die Behinderung für die Tätigkeit ohne jede Bedeutung ist und Sie befürchten, in einer rein privatwirtschaftlichen Auswahl benachteiligt zu werden. Spätestens nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit darf der Arbeitgeber nach der Schwerbehinderung fragen – dann müssen Sie wahrheitsgemäß antworten.
Die Frage im Vorstellungsgespräch beantworten
Wird die Schwerbehinderung angesprochen, antworten Sie in drei Schritten: kurz bestätigen, Auswirkung auf die Arbeit benennen, Lösung anbieten.
"Ja, ich habe einen GdB von 50. Für meine Arbeit bedeutet das, dass ich längeres Stehen vermeide. An einem Schreibtischarbeitsplatz spielt das keine Rolle. Falls es doch relevant wird, gibt es einfache Lösungen, die das Integrationsamt fördert."
Fragen nach Diagnosen müssen Sie nicht beantworten. Zulässig ist nur die Frage, ob gesundheitliche Gründe der konkreten Tätigkeit dauerhaft entgegenstehen.
Jetzt bewerben – bei Arbeitgebern, die Inklusion leben
Auf schwerbehindert.org finden Sie Stellen, bei denen Ihre Qualifikation zählt.
Jobs für schwerbehinderte Menschen · Stellenangebote für behinderte Menschen · Homeoffice-Jobs
Häufige Fragen (FAQ)
Wo genau schreibe ich die Schwerbehinderung in die Bewerbung?
In den letzten Absatz des Anschreibens und in eine Zeile unter den persönlichen Daten im Lebenslauf. Im öffentlichen Dienst zusätzlich möglichst weit oben, damit der Einladungsanspruch nicht übersehen wird.
Muss ich den GdB in Prozent angeben?
Der Grad der Behinderung wird nicht in Prozent angegeben, sondern als Zahl von 20 bis 100 – korrekt ist also "GdB 50", nicht "50 % Behinderung". Ab GdB 50 gelten Sie als schwerbehindert.
Welche Nachweise muss ich beilegen?
Eine Kopie des Schwerbehindertenausweises (Vorder- und Rückseite) oder des Feststellungsbescheids, bei einer Gleichstellung den Bescheid der Agentur für Arbeit. Originale schicken Sie nie mit.
Hat ein Lebenslauf mit Schwerbehinderung Vorteile?
Im öffentlichen Dienst ja – dort entsteht der Einladungsanspruch. In der Privatwirtschaft kann die Angabe ebenfalls helfen, weil Sie auf die Pflichtquote angerechnet werden und Förderungen möglich sind. Garantiert ist ein Vorteil aber nicht; entscheidend bleibt Ihre fachliche Passung.
Fazit
Gute Formulierungen sind kurz, sachlich und lösungsorientiert. Nennen Sie die Tatsache, verzichten Sie auf Diagnosen und Rechtfertigungen und zeigen Sie, dass Sie mögliche Anpassungen bereits mitgedacht haben. So wird aus einem heiklen Thema ein souveräner Nebensatz – und Ihre Bewerbung bleibt das, was sie sein soll: eine Bewerbung um Ihre Kompetenz.
Ausführlich zum gesamten Bewerbungsprozess: Bewerbung mit Schwerbehinderung – der komplette Leitfaden. Zur Vorbereitung auf das Gespräch: Vorstellungsgespräch mit Behinderung.